In einem typischen Eishockey-Spiel finden 50–70 Faceoffs statt. Teams, die über 55 % ihrer Bullys gewinnen, besitzen messbar mehr Puck-Possession in entscheidenden Phasen. Besonders in der eigenen Defensivzone, im Powerplay und in den letzten zwei Minuten enger Spiele ist der Faceoff-Gewinn direkt mit dem Spielausgang korreliert. Trotzdem wird das Bully-Spiel im Training kaum systematisch geübt. Dieser Artikel ändert das.
Eine gute Faceoff-Körperhaltung ist der erste Schritt zu mehr Bully-Gewinnen. Die Grundposition: Knie leicht gebeugt (nicht vollständig gestreckt), Körper über den Knien, Gewicht auf den Fußballen, Schulterlinie parallel zur Bully-Linie. Der obere Arm (nahe zum Gegner) ist locker, der untere Arm (Schlägerhand) ist auf Zug bereit.
Fehler, die häufig zu sehen sind: Aufrechte Haltung (zu langsam beim Puck-Drop), zu breiter Stand (schlechte Lateral-Reaktion), Stab zu weit vom Körper (Hebelwirkung fehlt). Die Haltung sollte regelmäßig vor einem Spiegel oder auf Video gecheckt werden.
Der obere Hand greift den Schläger wie beim normalen Spielen, Blade auf dem Eis zeigend in Richtung Puck. Vorteil: Natürliche Position, guter Zug nach hinten. Nachteil: Gegner kann leicht lesen, wohin der Puck gespielt wird.
Die obere Hand dreht, sodass die Blade Richtung eigenes Tor zeigt. Vorteil: Überraschend für den Gegner, gut für schnellen Puck hinter die eigene Körperlinie. Nachteil: Weniger Kraft, schwerer zu standardisieren. Am besten beim defensiven Faceoff (eigene Zone).
Beide Hände halten den Schläger nahe zusammen, Blade wird vorgeschoben statt gezogen. Ziel ist es, den Gegner-Schläger aus der Position zu schieben, bevor er den Puck berührt. Sehr effektiv beim Tie-Up (Schläger verschränken), weil der Gegner seine Blade nicht kontrollieren kann.
Das Faceoff wird nicht nach Reaktion auf den Puck-Drop gewonnen, sondern durch Antizipation. Die besten Faceoff-Spezialisten reagieren nicht auf den fallenden Puck – sie initiieren die Bewegung kurz davor, basierend auf dem Rhythmus des Schiedsrichters. Trainiere: Schiedsrichter-Timing lesen, Handbewegung vor dem Drop beobachten, regelmäßige Dropversuche ohne Gegner zur Schulung des Timings.
Im Spiel: Schau nicht auf den Puck, sondern auf die Hand des Schiedsrichters. Der Puck fällt erst, wenn die Hand aufgeht. Dieser Moment, nicht der Aufprall auf dem Eis, ist das Signal.
Wenn das Timing nicht perfekt sitzt oder der Gegner im Vorteil ist, ist Tie-Up die sichere Alternative: Schläger des Gegners mit dem eigenen verschränken und dessen Blade kontrollieren. Das verhindert, dass der Gegner den Puck präzise spielt, und gibt den eigenen Teamkollegen mehr Zeit, den Puck aufzunehmen.
Effektive Tie-Up-Sequenz: Blade des Gegners von oben überqueren, nach innen drücken, eigene Blade zwischen Gegner-Blade und Puck schieben. Gleichzeitig: Körperkontakt aufbauen, Gewicht auf den Gegner übertragen, ihm Raum nehmen. Nach dem Tie-Up: Sofort auf die Unterstützung der eigenen Mitspieler (Wingers) verlassen, die den loose Puck aufnehmen.
Profi-Centerstürmer bestätigen: Der kurze Augenkontakt vor dem Bully signalisiert dem Gegner etwas und verunsichert. Schaue kurz in eine Richtung, spiele den Puck in die andere. Oder: Starrer Blick auf den Puck, dann spontaner Richtungswechsel. Das sind subtile Mittel – aber in 50-50-Situationen macht die Psychologie den Unterschied.
Nach gewonnenem Bully in der Angriffszone (obere Bullykreise) gibt es drei klare Set-Play-Optionen:
Eigene Zone, Bully tief links oder rechts: Hier ist das erste Ziel, den Puck unter Kontrolle zu bringen oder klar zu spielen – kein riskantes Manöver. Set Plays hier sind einfacher: Puck nach hinten hinter die eigene Torlinie, oder: Sofortiger Clear entlang der Bande. Alle fünf Spieler müssen wissen, wer den Puck nimmt und wer screent.
Bully in der neutralen Zone: Ziel ist Puck-Kontrolle und sofortiger Angriff. Gewinnst du in der Mitte nach vorne, ist ein 2-on-1 oder 3-on-2 möglich, wenn die Flügel ihre Positionen halten. Trainiere: Nach neutralem Faceoff-Sieg sofort Sprints in die Tiefe – der Gegner ist kurz unpositioniert.
| Faceoff-Quote | Auswirkung auf Puck-Possession | Einordnung |
|---|---|---|
| Über 58 % | +15 % mehr Possession in der Angriffszone | Spitzenwert |
| 52–58 % | +6–10 % mehr Possession | Guter Wert |
| 48–52 % | Ausgeglichen | Durchschnitt |
| Unter 45 % | Gegner startet 30+ % mehr Angriffe mit Puck-Kontrolle | Handlungsbedarf |
Zwei Spieler gegenüber, kein Puck. Schiedsrichter simuliert Drop-Bewegung. Spieler reagieren auf Handbewegung, nicht auf Puck. Ziel: Timing schulen.
Faceoff-Kreis, Fokus nur auf Tie-Up-Technik. Kein Versuch, den Puck zu gewinnen – nur Gegner-Blade kontrollieren, Körper positionieren. Wer länger kontrolliert, gewinnt.
5-on-5, jedes Bully hat einen vorher festgelegten Set Play. Center weiß, wohin er spielt. Team weiß, welche Position wer einnimmt. Kein freies Spiel – nur Plan ausführen.
Zwei Center, je 10 Faceoffs. Gewinner spielt im nächsten Übungsspiel; Verlierer nimmt sich eine Aufgabe (z.B. 10 Liegestütze). Wettkampfcharakter erhöht die Konzentration stark.
Drei verschiedene Faceoff-Positionen (off-zone, def-zone, neutral) rotierend. Nach jedem gewonnenen Bully muss das Team den Set Play ausführen und das Spiel zu Ende spielen (3 Pässe oder Tor). Trainiert nicht nur das Bully selbst, sondern den Übergang danach.